Mit 2018 ist die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD II in Kraft getreten. Sie bringt umfangreiche Änderungen für den Zahlungsverkehr im europäischen Binnenraum. Zwei der Neuerungen haben besonders große Folgen für den Online-Handel:

1. Keine Aufschläge für „besonders gängige“ Zahlungsmittel

Seit Mitte Jänner 2018 dürfen Online-Händler (aber auch Hotels und Fluggesellschaften) für „besonders gängige“ Zahlungsarten vom Verbraucher keine Gebühren mehr verlangen. Betroffen sind Girocard, Kreditkarten wie beispielsweise Mastercard und Visa und damit auch PayPal), die Zahlung per Lastschrift oder Überweisung tätigen.

Weiterverrechnung entfällt

Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Kreditkartenunternehmen berechnen aber für die Nutzung einen gewissen Prozentsatz der Bruttosumme und gegebenenfalls zusätzlich eine Gebühr pro Transaktion. Die Möglichkeit, diese an den Kunden weiter zu verrechnen, fällt mit der neuen Richtlinie weg. Das summiert sich natürlich!

Was also tun?

Diese Kosten auf den Verkaufspreis aufschlagen oder gar hinter den Versandkosten verstecken? Nachdem im Onlinehandel die Preise sehr transparent und leicht vergleichbar sind, könnte es dadurch zu Wettbewerbsnachteilen kommen. Gewisse Zahlungsarten einfach nicht mehr anbieten? Eine Möglichkeit, die mit Sicherheit die Conversion Rate negativ beeinflusst. Oder aber Sie übernehmen die Gebühren selbst, was wiederum Gewinneinbußen mit sich bringt.

2. Strengere Autorisierung ab 2019

Zur Erhöhung der Sicherheit und Vermeidung von Betrugsfällen sind Zahlungsdienstleister in Zukunft verpflichtet, eine sogenannte „starke Kundenauthentifizierung“ zu verlangen. Das bedeutet, dass mindestens zwei der folgenden Elemente für eine Zahlung erforderlich sind:

>> Wissen (z. B. Passwort, PIN)

>> Besitz (z. B. Kredit- oder Debitkarte mit Chip)

>> Inhärenz (z. B. Fingerabdruck, Pulsschlag, Stimme)

Ausgenommen von dieser Regelung ist die Lastschrift.

Kurz gesagt

Das derzeitige Betrugsausmaß, besonders beim Online-Handel soll mit der PSD II verringert werden. Und die Verbraucher sollen für gängige Zahlungsarten nicht zur Kasse gebeten werden können. Die Herausforderung für die Händler besteht nun darin, nicht auf den gesamten Kosten sitzen zu bleiben und trotz mühsamer Authentfizierungsverfahren, ihre Conversion Rate zu erhalten.

Ein Vorteil noch zum Schluss: Bei einem Kartenmissbrauch musste der Geschädigte bisher bis zu 150 Euro des Schadens selbst tragen. Künftig sind es nur noch 50 Euro.